31 03, 2023

Ohne Wasser keine Milch

2023-03-31T11:57:26+01:0031. März 2023|

Kühe benötigen bis zu 200 Liter Wasser am Tag. Der Bedarf hängt von Gewicht, täglicher Futteraufnahme und Umgebungstemperatur ab, aber auch die Milchleistung und der Laktationstag spielen eine Rolle. Ohne ausreichend Wasser nimmt die produzierte Milchmenge ab.

Eine trockenstehende Kuh beispielsweise benötigt ca. 50 bis 70 Liter, eine hochlaktierende Kuh an heißen Tagen bis zu 200 Liter. Trinkwasser deckt 80 bis 90% des gesamten täglichen Wasserbedarfs der Kühe. Der Rest wird durch das Futter aufgenommen. Eine Kuh im Stall geht pro Tag 3 bis 10 Mal, auf der Weide 2 bis 5 Mal zur Tränke, wo sie durchschnittlich 5 bis 8 Liter Wasser pro Minute aufnimmt. Dieser Wert kann mit bis zu 25 Litern pro Minute auch weitaus höher sein. Am höchsten ist der Wasserbedarf nach dem Melken und der Futteraufnahme.

Ein zu enges Tier-Tränke-Verhältnis, falscher Standort und Funktionsmängel der Tränken fallen bei vielen Beratungsbesuchen auf. Besonders Verschmutzungen durch Biofilme, Futterreste und Kot sowie schlechte Wasserqualitäten vermindern die Futteraufnahme. Außerdem scheiden die Tiere weniger Harn aus, damit steigt die Konzentration des Urins. Dies kann zu erhöhter Krankheitsanfälligkeit führen.

Besonders in den Sommermonaten kann Wassermangel in Kombination mit warmen Temperaturen eine große Belastung für den Organismus und Stoffwechsel der Tiere darstellen. Dadurch fressen Kühe weniger und geben folglich weniger Milch.

Jetzt ist noch Zeit, die Wasserversorgung kritisch zu prüfen. Lesen Sie dazu die KFM-Merkblätter „Wasserversorgung für Milchkühe“, „Tränkewasser überprüfen“ und „Tränkewasser aufbereiten“.

Uwe Weddige

Grafik: KFM

27 03, 2023

Rindersteaks aus dem Labor

2023-03-27T03:12:21+01:0027. März 2023|

Erstmals ist es gelungen, ein Rindersteak im Labor herzustellen. Das teilte das Schweizer Startup Mirai Foods kürzlich mit. Eine neue Technologie sorge für eine Kultivierung von Gewebe, wodurch herkömmliches Fleisch nachgeahmt werden könne, heißt es aus der Schweiz.

Unstrukturiertes Brät hatte sich bereits in Bioreaktoren nachbilden lassen. Aber ein Filetsteak sei die „ultimative Herausforderung“, betonte der Mirai Foods-Geschäftsführer und Mitgründer Christoph Mayr, denn es bestehe aus verschiedenen Zelltypen, die eine komplexe Fleischstruktur ergeben würden. „Dieser Strukturierungsprozess ist technologisch anspruchsvoll und macht die Herstellung von Steaks extrem schwierig“, erklärte Mayr.

Lange und voll ausgereifte Muskelfasern werden in dem vom Unternehmen selbst entwickelten Bioreaktor herangezüchtet, dann durch Enzyme verbunden und mit ebenfalls gezüchtetem Fettgewebe kombiniert. Laut Unternehmen alles ohne Gentechnik.

Fünf Tage dauere es, bis das Filetstück fertig sei, aus dem dann Steaks in fast jeder Dicke geschnitten werden könnten. Anfang Februar hatte bereits das englische Unternehmen 3D Bio-Tissues (3DBT) verkündet, ihm sei das weltweit erste Schweinefilet aus kultivierten Zellen geglückt. Auch hier liegt eine patentierte firmeneigene Technologie zugrunde.

Uwe Weddige

Foto: LebensmittelZeitung

20 03, 2023

Melkstand: Fußboden sanieren!

2023-03-20T02:50:36+00:0020. März 2023|

Oft beginnt es damit, dass Kühe nur zögerlich zum Melken kommen, sie vermehrt ausrutschen und die ersten Wasserpfützen sichtbar sind. Feuchtigkeit, Kot, Urin und Milch sowie der ständige Kuhverkehr lassen den Boden verschleißen. Irgendwann muss er erneuert werden. Aber wie?

Der Aufwand, die Laufflächen im laufenden Betrieb zu sanieren, ist hoch. Der neue Bodenbelag sollte gut und schnell zu reinigen sein. Für Kühe sind eine gute Tritt- und Standsicherheit der wichtigste Faktor. Ein möglichst bequemer Laufkomfort ist ebenfalls wünschenswert.

Epoxidharz-Beschichtungen sind die erste Wahl, sie halten lange und sind gut zu reinigen.     Guss-Asphalt hat sich ebenfalls bewährt und er lässt sich genauso wie Gummibeläge zwischen den Melkzeiten einbauen. Beton und Fiesen überzeugen in Sachen Haltbarkeit nur wenig und sind nicht mehr Stand der Technik.

Sanierungen im Melkstand sind nicht einfach und bedeuten einen großen Arbeitsaufwand. Sparen Sie nicht am falschen Ende! Nur wer auf geeignetes Material setzt und dieses fachgerecht einbaut, schafft gute Bedingungen für Mensch und Tier für die kommenden 10 Jahre.

Uwe Weddige

Foto: Weddige

15 03, 2023

Chinas Superkühe

2023-03-20T02:48:30+00:0015. März 2023|

Chinesische Wissenschaftler züchten Kühe mit einer bis zu 50% höheren Milchleistung als bisherige Milchleistungskühe in den USA. Geplant ist in zwei bis drei Jahren eine Herde mit 1.000 „Superkühen“, um die Abhängigkeit Chinas von Milch- und Rinderimporten zu verringern.

Die Geburt der ersten drei Kälber sei der erste erfolgreiche Versuch, die Keimplasma-Ressourcen von „Superkühen“ mit der Methode des somatischen Zellkerntransfers zu vermehren, erläuterten die verantwortlichen Wissenschaftler der Northwest A&F University in China.

Die jüngst geborenen Kälber stammen von Holstein-Friesian-Kühen ab, die im Laufe der Jahre nach China importiert wurden und in der Lage sind, bis zu 18.000 kg Milch bei Lebensleistungen von 100.000 kg und mehr zu produzieren.

Laut der Global Times berichten Experten, dass die Nachfrage nach Milchprodukten in China steigt und China auf den Import von Zuchttieren und Milchprodukten angewiesen ist.

Uwe Weddige

Grafik: KFM

12 03, 2023

Ammoniakemissionen verringern

2023-03-12T02:59:17+00:0012. März 2023|

Zur Reduktion von Emissionen des Ammoniak-Gases (NH3) im Stall könnte möglicherweise schon bald die Applikation von sogenannten Ureasehemmern auf Laufgängen empfohlen werden. Aktuell läuft am Julius-Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig in Kooperation mit der Christian-Albrechts-Universität in Kiel ein entsprechender Versuch.

In Versuchen testete das Team um Annika Ehmke den Einsatz einer Substanz, die die Bildung von Urease verringert Die Applikation soll entweder über einen Entmistungsroboter oder über ein schienengeführtes Spritzgestänge über den Laufgängen erfolgen. Dadurch verläuft die Umwandlung von Harnstoff in Ammonium deutlich langsamer. Im Ergebnis sind nicht nur 40 bis 60 % weniger NH3-Emissionen zu erwarten, sondern auch deutlich wahrnehmbare Verbesserungen der Stallluft.

Im praktischen Einsatz konnten die Wissenschaftler bereits die Unbedenklichkeit für Tier, Mensch und Umwelt nachweisen. Die Zulassung für die Anwendung im Stall ist für Ende 2023 geplant.

Quelle: Düsser Milchviehtage 2023

Foto: KFM

7 03, 2023

Klauenbad richtig dosieren

2023-03-07T05:51:56+00:007. März 2023|

Wird ein Klauenbad überdosiert, reizt und schädigt es die Haut. Es wird zum Wegbereiter für Infektionserkrankungen wie Mortellaro und Panaritium. Es verschlechtert den Zustand, statt ihn zu verbessern. Eine zu geringe Wirkstoffkonzentration senkt nicht den Keimdruck im Bestand. Die Desinfektionswanne wird viel mehr sogar zur „Infektionswanne“.

Drei Schritte sind notwendig:

  1. Mit welchem Wirkstoff, in welcher Konzentration und wie häufig ein Klauenbad durchgeführt wird, richtet sich immer nach der Klauengesundheit einer Herde. Erfahrene Tierärzte und gute Klauenpfleger geben betriebsindividuelle Empfehlungen.
  2. Für eine genaue Dosierung des Wirkstoffes ist das praktische Füllvolumen zu ermitteln. Der geringe Aufwand für das Auffüllen des Beckens mit abgezählten Wassereimern lohnt sich.
  3. Der Wirkstoff eines Klauendesinfektions- bzw. -pflegemittels liegt in einer bestimmten Konzentration vor. Um den Wirkstoff entsprechend der empfohlenen Konzentration in das Klauenbad zu bekommen, kommt man um eine Berechnung nicht herum.

Um sicherzustellen, dass die Lösung im Klauenbad die Haut nicht reizt, ist der pH-Wert eine wichtige Kontrollgröße. Durch den Eintrag von Kot, Harn und Wasser wird der Wirkstoff verdünnt, die Lösung unwirksam und der pH-Wert steigt. Er soll aber stabil zwischen pH 4,0 und 5,5 liegen.

Ein Klauenbad kann immer vorbeugend wirken, aber nie heilend! Damit etwa akute Mortellaro-Läsionen abheilen können, müssen sie mit einem geeigneten Produkt und Verband behandelt werden.

Uwe Weddige

Grafik: KFM

3 03, 2023

Mehr Wasser – weniger Durchfall

2023-03-03T05:36:56+00:003. März 2023|

Ohne Wasser läuft im Kälberstall nichts. Schon ab dem ersten Lebenstag muss Kälbern Wasser angeboten werden.

Kälber, die jederzeit Wasser aufnehmen können haben erwiesenermaßen weniger Durchfall. Wenn es dennoch zu Durchfallerkrankungen kommt, dann können durch die Wasseraufnahme Stoffwechselstörungen durch Flüssigkeits- und Pufferverluste gemindert werden.

Auch im Winter ist die Wasserversorgung bei Kälbern elementar, denn sie fördert die Entwicklung des Pansens und damit eine frühe Kraftfutteraufnahme. Wichtig ist dabei, dass das Wasser warm verabreicht wird. Die Temperatur sollte bei 38 bis 39 °C liegen, also in etwa der Körpertemperatur des Tieres entsprechen. Bei zu kaltem Wasser benötigen Kälber zusätzliche Energie, um dieses aufzuwärmen. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Wasser weniger schnell einfriert.

Unser Tipp: Bieten Sie das Wasser immer zum gleichen Zeitpunkt an. So gewöhnen sich Ihre Kälber schnell an ein regelmäßiges Trinken.

Uwe Weddige

Foto: KFM

28 02, 2023

Nasse Euter vermeiden!

2023-02-28T03:29:01+00:0028. Februar 2023|

Beim Verlassen der Kühe des Melkstands werden Melkzeuge und Laufbereich oft mit Wasser gereinigt. Das muss unbedingt unterbleiben, denn das Ausspritzen des Melkstands zwischen den Durchgängen beeinträchtigt die Eutergesundheit.

Die Strichkanäle der Zitzen sind nach dem Melkvorgang weit geöffnet. Sie brauchen etwa 30 Minuten zum Verschließen. Wenn der Boden nun beim Verlassen aus dem Melkstand gereinigt wird, laufen die Kühe Gefahr, den infektiösen Mix aus Wasser und Dreck vom Boden direkt an die Zitzen zu bekommen. Krankheitserreger können leicht durch die offenen Strichkanäle eindringen und dort zu einer Euterentzündung führen.

Melkstand und die Melkzeuge sollten daher nicht nach jedem Durchgang saubergespritzt werden. Ist das jedoch unvermeidbar, so ist zu warten, bis alle Kühe den Melkstand verlassen haben und nicht in Kontakt mit dem Spritzwasser kommen.

Uwe Weddige

Foto: KFM

23 02, 2023

Kälberdecken helfen!

2023-02-23T04:04:05+00:0023. Februar 2023|

Auch wenn die Kuh Ihr Kalb nach der Geburt gründlich ableckt, bleibt das das Fell immer noch feucht. In vielen Betrieben kommt nun die Wärmebox zum Einsatz, damit das Kalb trocken wird, bevor es in die Einzelbox kommt.

Oft ist es in den Ställen kalt und die Luft feucht. Das Kalb beginnt zu frieren und das wiederum macht krank. In solchen Fällen ist eine Kälberdecke durchaus sinnvoll.

Wir holen einfach unsere dicken Jacken aus dem Schrank, damit wir im Winter nicht frieren. Das Kalb hat aber nur ein Fell und auch das kann bei Kälte und Nässe schnell an seine Grenzen gelangen.  Studien weisen nach, dass eingedeckte Kälber in der kalten Jahreszeit eine höhere Tageszunahme erreichen, als gleichaltrige ohne Decke bei denselben Bedingungen. Das ist schnell erklärt, denn die Kälber ohne Decke müssen mehr Energie in das Warmhalten stecken. Diese fehlt dann aber wiederum für das Wachstum.

Auch in Krankheitsfällen kann so eine Decke dem Kalb helfen, möglichst schnell wieder gesund zu werden. So muss bei kalten Außentemperaturen nicht noch zusätzliche Energie in den Erhalt der Körperwärme gesteckt werden, sondern steht für die Gesundung und Erholung zur Verfügung.

Fazit: Kälberdecken können im Winter eine sinnvolle Sache sein. Eine generelle ganzjährige Anwendung ist dagegen nicht zielführend.

Uwe Weddige

Foto: Masterrind

21 02, 2023

Fisch aus dem Bioreaktor

2023-02-21T03:45:47+00:0021. Februar 2023|

Laut Daten der WWF sind viele Fischbestände bereits überfischt. Dies gefährdet nicht nur die Ökosysteme und Nahrungsketten in den Meeren, sondern auch die Ernährung von Millionen von Menschen, deren wichtigste Eiweißquelle Fisch ist.

Nun hat ein deutsches Unternehmen ein Verfahren zur Herstellung von zellbasiertem Fisch entwickelt. Die Wissenschaftler wandeln Gewebezellen eines Fisches im Labor in eine Art Stammzellen um, die sich unendlich oft teilen können. Im Anschluss werden die Zellen in einen Bioreaktor mit einer Nährlösung eingebracht. Derzeit arbeiten die Experten an der Optimierung der Nährmedien, die großen Einfluss auf den Geschmack des Laborfischs haben.

Geplant ist anfangs die Produktion von Fischbällchen, Fischstäbchen und Fischtartar, die neben den Zellkomponenten auch pflanzliches Protein enthalten werden. Später soll auch Fischfilet produziert werden.

Durch die zellbasierte Fischproduktion aus dem Bioreaktor könnte laut ihren Entwicklern eine Fischentnahme aus den Ozeanen ersetzt werden und auf diese Weise einen maßgeblichen Beitrag bei der globalen Versorgung mit tierischem Eiweiß leisten. Die Markteinführung ist für Ende 2023 geplant.

Das Vorhaben erinnert an die Idee eines israelischen StartUps. Remilk plant, mit Hilfe eines Fermentationsprozesses Produkte herzustellen, die sich in Geschmack und Funktion nicht von denen herkömmlichen Kuhmilch unterscheiden. Wir berichteten an dieser Stelle unter dem Titel: „Zellbasierte Milch: Trend oder Unsinn?“

Uwe Weddige (Quelle: Forschung und Wissen)

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