Die Falle der Hilfsbereitschaft
„Könnten Sie mal schnell…“ ist der harmloseste Satz der modernen Arbeitswelt. Doch hinter der kollegialen Bitte verbirgt sich oft ein perfides System. Wer immer „ja“ sagt, landet schnell in der Rolle des Ausgebeuteten.
Landwirtschaft ist mehr als nur ein Arbeitsort. Alle beschwören das „Wir-Gefühl“, das zum Erfolg beiträgt. Die Selbstverständlichkeit der Zusammenarbeit reift oftmals zur Ausbeutung der Hilfsbereitschaft. Oft beginnt es mit einem Gefallen oder einer Urlaubsvertretung. Doch irgendwann stellen Sie fest, dass Sie nicht mehr nur Ihren Job erledigen, sondern den der Kollegen gleich mit.
Warum fällt es uns so schwer, Grenzen zu ziehen? Das Problem liegt im Kern des modernen Teamgeists versteckt. Wer das Nein „wagt“, sieht sich dem Vorwurf der fehlenden Teamfähigkeit ausgesetzt. Die Kollegen, die Sie ausnutzen, haben gelernt, dass Bequemlichkeit belohnt wird. Sie nutzen jene aus, die pflichtbewusst und harmoniebedürftig sind.
Woran erkennen Sie die Überschreitung der Grenze zur Selbstausbeutung?
Seltsamerweise werden immer nur Sie gefragt, nie die anderen. Sie übernehmen regelmäßig Aufgaben, die absolut nichts mit Ihrem eigentlichen Jobprofil zu tun haben. Ihre eigentlichen Aufgaben bleiben liegen, weil Sie ständig anderen helfen. Ihre Zusatzarbeit wird nicht mehr als Gefallen gesehen, sondern zur Normalität erklärt.
Die Folgen dieser Dynamik sind fatal. Ein Team, das darauf basiert, dass einige wenige die Last der vielen tragen, ist instabil und nicht effizient. Es produziert Verbitterung statt Innovation. Sich abzugrenzen ist wichtig und eine wichtige Form der Professionalität. Kollegen sind lediglich Wegbegleiter in einem vertraglich geregelten Rahmen, nicht mehr.
Wenn die Zusammenarbeit also zur Einseitigkeit verkommt, dann ist es Zeit für ein deutliches „Nein“. Denn am Ende des Tages zählt nur: „Eine Hand wäscht die andere“.
Uwe Weddige
Foto © KFM: Hilfsbereitschaft gilt als selbstverständlich, manchen Kollegen gelingt es dadurch aber auch, sich auszuruhen









