Zwischenkalbezeit verlängern?
Ist die seit Jahrzehnten praktizierte Regel von 305 Tagen Laktation und 60 Tagen Trockenstehzeit noch sinnvoll?
Forscher der niederländischen Wageningen University and Research und der dänischen Aarhus University suchten nach neuen Wegen. Lesen Sie hier die zusammengefassten Ergebnisse:
Größere Zwischenkalbezeiten bringen einige Vorteile mit sich:
- Verlängerte Laktationsperioden, führen zu weniger Transitphasen im Leben einer Kuh, also den allgemein riskantesten Zeiten für die Kuhgesundheit.
- Die geringere Anzahl geborener Kälber kann durch den Einsatz von gesextem Sperma und genomischer Selektion ausgeglichen werden.
- Eine verlängerte freiwillige Wartezeit vor der Besamung kann die Fruchtbarkeit verbessern, da die Kühe die Chance erhalten eine positive Energiebilanz herzustellen.
- Längere Laktationsperioden reduzieren den Arbeitsaufwand im Hinblick auf Trockenstellen, Kalbungen und Erkrankungsbehandlung.
Andererseits können längere Laktationszeiten auch nachteilige Auswirkungen mit sich bringen:
- Insbesondere im letzten Abschnitt der Laktation besteht das Risiko von Verfettung. Dies kann im Anschluss an die Kalbung zu Gesundheits- und Fruchtbarkeitsstörungen führen.
- Wenn vor allem die leistungsstarken Kühe für die längere Laktationszeit ausgewählt werden, produzieren gerade diese Tiere weniger Nachkommen. Dies könnte sich langfristig auf den genetischen Fortschritt der gesamten Herde auswirken.
In beiden Studien konnte beobachtet werden, dass die Persistenz bei erstlaktierenden Tieren besser ist als bei älteren Kühen. Eine verlängerte Laktationsdauer scheint daher im Hinblick auf Milchertrag und Wirtschaftlichkeit besonders für erstlaktierende Tiere vorteilhafter.
Die Verlängerung der Laktationsdauer birgt aber auch Chancen und Risiken. Viele Einflussfaktoren sind beteiligt und die Datenlage auf Auswirkungen, besonders für nachfolgende Laktationen, ist bisher gering. Weitere Forschungen könnten zu diesem Thema eindeutige und allgemeingültige Empfehlungen geben.
Uwe Weddige
Foto © KFM









