Nimmt die Kuh schnell viel verfügbare Energie in Form von Stärke und Zucker auf, kann der Pansen reichlich Mikrobenprotein bilden und durch den hohen Glukoseanteil im Stoffwechsel steht mehr Energie zur Milcheiweißsynthese bereit. Ein hoher Milcheiweißgehalt spricht zunächst für eine gute Energieversorgung. Kommt die Energie größtenteils aus stärke- oder zuckerreichen Kraftfutterkomponenten, sinkt der Anteil an Essigsäure an den gesamten Fettsäuren des Pansens. Essigsäure ist ein wesentlicher Bestandteil für die Milchfettbildung. Wird dabei rohfaserarm gefüttert, wird weniger Essigsäure im Pansen, die im Euter zur Milchfettsynthese genutzt werden kann, gebildet. Dadurch sinkt der Milchfettgehalt.
Sinkender Milchfettgehalt und steigender Milcheiweißgehalt führen dazu, dass der Fett-Eiweiß-Quotient sinkt. Liegt das Verhältnis außergewöhnlich niedrig (z.B. unter < 1,0), wird von einem Strukturmangel oder einem Verdacht auf Pansenazidose gesprochen. Besonderer Risikozeitraum ist einige Tage vor der Kalbung bis ca. 60 Tage nach der Kalbung.
Typische Kennzeichen
- Fett-Eiweiß-Verhältnis der Milch einer Kuh ist ungewöhnlich niedrig (unter < 1,0),
- Abfall der Milchfettgehalte um mehr als 0,5%-Punkte,
- Appetitlosigkeit bis zur Verweigerung von Futteraufnahme,
- Abfall der Milchleistung, dünnflüssiger Kot, geringe Wiederkautätigkeit,
- Bei akuter Azidose gegebenenfalls auch Speichelfluss aus dem Maul.
Mögliche Ursachen
- Zu hohe Mengen leicht verdaulicher Kohlenhydrate (Stärke, Zucker) in der Ration,
- Unzureichende Verteilung der stärkereichen Kraftfutterfuttermittel über den Tag, zu hohe Mengen je Gabe (Dosierung, Verteilung und Gesamtgabe am Tag),
- Unzureichende Aufnahme von faserreichen Grundfuttermitteln (Silage, Heu, Stroh usw.) in der Ration und damit schlechte Wiederkäueraktivität sowie mangelnde Pufferung durch verminderte Speichelbildung (-> Pansenübersäuerung),
- Ungenügende Vorbereitungsfütterung (Transitfütterung) zur Anpassung der Pansenflora an die sich ändernde Zusammensetzung der Futterration vor und nach dem Kalben,
- Verhältnis von faserreichen Grundfutter zu stärke- bzw. zuckerreichen Kraftfutter passt nicht, Überschuss an leicht löslichen, pansenabbaubaren Kohlenhydraten.
Vorbeugemaßnahmen
- Kohlenhydratreiche Futtermittel (Getreide, Getreidemischungen usw.) nicht in zu großen Portionen und Mengen einsetzen (maximal 2 kg pro Gabe),
- Kraftfuttermengen nach dem Kalben nicht zu schnell steigern,
- Tiere schon vor dem Kalben langsam an stärke-/zuckerhaltige Futtermittel gewöhnen,
- Hohe Grundfutteraufnahme (Silage, Heu, Stroh) sicherstellen. Wichtiger Einfluss hat dabei die Qualität und Schmackhaftigkeit des Grundfutters,
- Entmischung der Ration (z.B. von Total-Misch-Rationen) am Futtertrog vermeiden,
- Einsatz von energiereichen Futtermitteln mit höherem Anteil an pansenstabiler Stärke,
- Kontinuierliche Beurteilung von Wiederkauaktivität, Kotkonsistenz und Milchfettgehalt der Herde und von Einzelkühen.
Behandlung von erkrankten Tieren durch den Tierarzt.
Ekkehard Schröder
Bild: KFM