Ketose ist eine Stoffwechselstörung, die vor allem in den ersten Wochen nach dem Kalben auftritt. Die Hauptursache ist eine negative Energiebilanz: Die Kuh benötigt mehr Energie für die Milchproduktion, als sie über das Futter aufnehmen kann. Dadurch werden Körperfettreserven mobilisiert und vermehrt Ketonkörper gebildet. Die aus dem Fettabbau entstehenden freien Fettsäuren erhöhen deren Verfügbarkeit im Blut und werden direkt in das Milchfett eingebaut, der Milchfettgehalt steigt.
Nimmt die Kuh zu wenig Energie auf, können die Pansenmikroben weniger Mikrobeneiweiß bilden. Zusätzlich fehlt es im Stoffwechsel an Glukose, die als Energiequelle zur Milcheiweiß-synthese benötigt wird, sodass der Eiweißgehalt in der Milch sinkt. Ein steigender Milchfettgehalt und sinkender Milcheiweißgehalt führen dazu, dass der Fett-Eiweiß-Quotient ansteigt. Ein für eine Kuh ungewöhnlich hohes Verhältnis des Fett-/Eiweißgehaltes in der Milch kann auf einen Energiemangel oder auch einer Ketose hindeuten. Dieses tritt häufig am Laktationsanfang auf, da sich der Energiebedarf durch die steigende Milchleistung schneller erhöht als die Energie- und Futteraufnahme. Eine an Ketose erkrankte Kuh zeigt äußerlich meist keine speziellen, einzigartigen Bildmerkmale, da es sich um eine innere Stoffwechselstörung handelt. Äußerlich sieht man betroffenen Tieren oft nur einen allgemeinen Leistungsabfall, Apathie, Fressunlust, oder Gewichtsverlust an. Aceton Geruch aus Maul und Atem ist auch ein typisches. Der Risikozeitraum liegt bei den hochleistenden Milchkühen insbesondere um die Zeit der Kalbung bis etwa 60 Tage nach der Kalbung.
Weitere Ursachen für eine Ketose können sein:
- Energetische Überversorgung im letzten Laktationsdrittel und Abschnitt des Frühtrockenstehens,
- Fütterung ketogener Futtermittel, wie butter-säurehaltige Silagen,
- Eiweißüberschuss in der Ration,
- Klimatische Faktoren, die eine hohe Futteraufnahme verhindern,
- Geringe Futterqualitäten (toxische Stoffe) und -mengen,
- Haltungsfehler (z.B. Überbelegung), die zu Stress führen,
- Bewegungsmangel.
Die wirksamste Ketose Prophylaxe besteht aus:
- Richtiger Körperkondition zum Kalben (Kühe sollten weder zu fett noch zu mager in die Trockenstehzeit gehen),
- Hoher Trockenmasseaufnahme vor und nach dem Kalben,
- Gut abgestimmter Transitfütterung 3 Wochen vor bis 3 Wochen nach dem Kalben (die Ration schrittweise von der Trockenstehperiode an die spätere Milchkuhration nach dem Kalben anpassen),
- Ausreichende Energieversorgung nach dem Kalben,
- Möglichen Stress aus der Umstellung minimieren.
Risikokühe der Herde können bereits prophylaktisch auf subklinische Ketose mit verschiedenen Blut-, Milch- oder Urintests überwacht werden, bevor deutliche Krankheitssymptome auftreten.
Ekkehard Schröder
Bild: KI-generiert