Futterzusatz Bovaer unerwünscht
Ein neuer Futtermittelzusatz für Milchkühe hilft, das Klima zu schützen. Farmer und Verbraucher in Großbritannien, Dänemark und Norwegen haben Bedenken.
Untersuchungen zeigen, dass die Fütterung mit Bovaer weder in der Milch noch im Fleisch auftaucht. Dafür entsteht aber bis zu 30 Prozent weniger Methan im Pansen. Ein Viertel Teelöffel je Kuh in der täglichen Futterration reicht bereits. Nun verweigert die größte Molkerei Norwegens die Annahme von Milch aus Betrieben, die Bovaer einsetzen.
Auch in Dänemark hat der Zusatzstoff in den vergangenen Wochen viel Kritik erfahren. Es besteht der Verdacht, dass der Zusatz bei Kühen zu Krankheiten führen kann. Deshalb stellten die dänischen Milcherzeuger die Verwendung von Bovaer bereits ein.
Obwohl der Futtermittelzusatzstoff seit drei Jahren eine Zulassung in der EU hat, nutzen ihn bisher nur wenige Milchviehhalter. Der Grund dürfte auch bei den hohen Kosten von etwa einem Cent pro Liter Milch liegen.
Die norwegische Molkerei will nun an der Reduzierung der Treibhausgasemissionen festhalten: „Bovaer ist eines von mehreren Instrumenten zur Emissionsreduzierung. Wenn wir nun darauf verzichten, werden wir unsere Anstrengungen auf andere Maßnahmen verstärken, wie z. B. besseres Raufutter und Futterverwertung, klimafreundliche Güllewirtschaft und den Fokus auf gesunde Kühe“.
Forscher und Milchverarbeiter betonen an vielen Stellen die Ungefährlichkeit von Bovaer. Es zeigt sich aber auch, dass die Verwendung von neuen Futterzusatzstoffen in der Milchproduktion bei Verbrauchern auf großes Misstrauen stoßen kann. Milch wird mit Natürlichkeit, Sicherheit und Qualität assoziiert, Verbraucher definieren den Begriff „Lebensmittelsicherheit“ eben auch über emotionell geprägte Erwartungen und Eigenschaften.
Uwe Weddige
Foto: KFM
Zwischenkalbezeit verlängern?
Ist die seit Jahrzehnten praktizierte Regel von 305 Tagen Laktation und 60 Tagen Trockenstehzeit noch sinnvoll?
Forscher der niederländischen Wageningen University and Research und der dänischen Aarhus University suchten nach neuen Wegen. Lesen Sie hier die zusammengefassten Ergebnisse:
Größere Zwischenkalbezeiten bringen einige Vorteile mit sich:
- Verlängerte Laktationsperioden, führen zu weniger Transitphasen im Leben einer Kuh, also den allgemein riskantesten Zeiten für die Kuhgesundheit.
- Die geringere Anzahl geborener Kälber kann durch den Einsatz von gesextem Sperma und genomischer Selektion ausgeglichen werden.
- Eine verlängerte freiwillige Wartezeit vor der Besamung kann die Fruchtbarkeit verbessern, da die Kühe die Chance erhalten eine positive Energiebilanz herzustellen.
- Längere Laktationsperioden reduzieren den Arbeitsaufwand im Hinblick auf Trockenstellen, Kalbungen und Erkrankungsbehandlung.
Andererseits können längere Laktationszeiten auch nachteilige Auswirkungen mit sich bringen:
- Insbesondere im letzten Abschnitt der Laktation besteht das Risiko von Verfettung. Dies kann im Anschluss an die Kalbung zu Gesundheits- und Fruchtbarkeitsstörungen führen.
- Wenn vor allem die leistungsstarken Kühe für die längere Laktationszeit ausgewählt werden, produzieren gerade diese Tiere weniger Nachkommen. Dies könnte sich langfristig auf den genetischen Fortschritt der gesamten Herde auswirken.
In beiden Studien konnte beobachtet werden, dass die Persistenz bei erstlaktierenden Tieren besser ist als bei älteren Kühen. Eine verlängerte Laktationsdauer scheint daher im Hinblick auf Milchertrag und Wirtschaftlichkeit besonders für erstlaktierende Tiere vorteilhafter.
Die Verlängerung der Laktationsdauer birgt aber auch Chancen und Risiken. Viele Einflussfaktoren sind beteiligt und die Datenlage auf Auswirkungen, besonders für nachfolgende Laktationen, ist bisher gering. Weitere Forschungen könnten zu diesem Thema eindeutige und allgemeingültige Empfehlungen geben.
Uwe Weddige
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Zoonosen: eine Gefahr für Landwirte
Durchfallerkrankungen bei Kälbern mindern nicht nur die Entwicklung, Leistung und Fruchtbarkeit der Tiere, sie stellen als sogenannte Zoonosen auch eine Gefahr für den Menschen dar.
Besonders Rotaviren, Kryptosporidien und Salmonellen können sowohl bei den Kälbern als auch beim Menschen Durchfall und weitere Erkrankungen auslösen. Weiterhin sind Campylobacter- und Yersinien-Bakterien für Menschen nicht ungefährlich, während sie bei Kälbern und Rindern oft keine Erkrankung auslösen oder ohne Symptome verlaufen. Ähnliches gilt für verschiedene E. coli Stämme, die von Rindern übertragen werden und bei Menschen für Infektionen verantwortlich sind.
Zur Senkung des Zoonose-Risikos ist Hygiene im Stall und im Umgang mit den Tieren oberstes Gebot! Wenn die Desinfektion von Arbeitsgeräten oder Stalleinrichtungen bei den Kälbern Erkrankungen vorbeugt, so gilt dies auch für alle, die dort arbeiten und mit den Tieren direkt oder indirekt in Kontakt kommen.
Sorgsame Hygiene durch Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen sowie durch das Tragen von Einmalhandschuhen schützt also Mensch und Tier!
Mehr dazu lesen Sie im kostenfreien KFM-Merkblatt „Zoonosen vermeiden“
Uwe Weddige
Foto: © KFM
Wer bequem liegt, bleibt gesund!
Kühe, die nicht in Liegeboxen stehen, sondern sich dort nach wenige Sekunden hinlegen sind ein gutes Zeichen für die Gestaltung Ihrer Liegeboxen.
Eine Kuh sollte mehr als zwölf Stunden am Tag liegen. Dies ist wichtig für ihre Gesundheit und damit auch für ihr Leistungspotenzial. Das Liegen bedeutet eine Entlastung für die Fundamente, die Abtrocknung der Klauen, eine gute Durchblutung des Euters und Zeit zum Wiederkauen!
Ein blankgescheuertes Nackenrohr ist fast immer zu niedrig montiert. Blanke Stellen an den Liegeboxenbügeln deuten darauf hin, dass die Kuh sich schräg in die Box legen muss, weil zu wenig Kopfraum gegeben ist.
Das Verhalten der Herde zeigt, ob die Boxenmaße passen: Stehen viele Tiere mit den Vorderbeinen in den Liegeboxen oder benötigen sie mehrere Minuten, um sich hinzulegen? Das spricht fast immer für zu harte Liegematten oder für eine mangelnde Größe der Liegeboxen.
Großen Einfluss auf den Liegekomfort hat die Beschaffung der Liegeflächen. Geschwollene und/oder Fell-lose Gelenke sind Hinweise auf Mängel im Liegebereich. Dies ist oftmals bei Hochboxen mit nicht eingestreuten Gummimatten der Fall.
Eine Kontrolle der aktuellen Liegeboxen-Situation lohnt sich immer. Die Kühe und die Einrichtung geben wichtige Hinweise, ob und was zu optimieren ist. Jede Verbesserung zahlt sich in einer längeren Liegezeit und daraus resultierend gesünderen Kühen aus.
Weitere Informationen zur Thematik finden Sie in unserem kostenlosen Merkblatt „Liegeboxenmaße für Kühe“.
Uwe Weddige
Fotos: © Tiergesundheitsdienst Bayern
Hautprobleme durch Handschuhe?
Immer wieder berichten Landwirte bei unseren Melktrainings von Hautproblemen, die durch das Tragen von Einmalhandschuhen entstehen. Besonders häufig genannt werden trockene, rissige Haut, Juckreiz und rissige Nagelhaut. Vermutlich staut sich unter den Handschuhen Feuchtigkeit, in der Folge löst das Trockenheit, Rötungen und Juckreiz aus.
Wenn sie innen feucht werden, sollten sie regelmäßig gewechselt werden. Um Hautschäden zu vermeiden, raten Experten daher dazu, Baumwollhandschuhe unter den Einmalhandschuhen zu tragen. Außerdem ist es wichtig, die richtige Größe auszuwählen.
Wir empfehlen eine gezielte Hautpflege. Häufiges Waschen, Desinfizieren und das Tragen von Handschuhen belasten die Haut. Die Verwendung von Hautschutz- oder Hautpflegemittel direkt unter Einmalhandschuhen hat aber oftmals verstärktes Schwitzen oder das Aufquellen der Haut zur Folge.
Pflegeprodukte sollten feuchtigkeitsbindende Stoffe wie Urea oder Glycerin enthalten und möglichst frei von Duftstoffen sein. Für den Arbeitsalltag sind schnell einziehende Cremes sinnvoll, während für die Pflege zu Hause fetthaltige Produkte besser geeignet sind. Beim Eincremen sollte besonders auf Fingerkuppen, Nagelfalz und Fingerzwischenräume geachtet werden.
Uwe Weddige
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Kälberställe mit Licht desinfizieren?
Oft begrenzen Außentemperaturen die Wirkung üblicher Desinfektionsmaßnahmen. Eine Lösung kann der Einsatz von UV-C-Strahlung sein.
Neben einer ausreichenden Kolostrumversorgung ist Hygiene in den ersten Lebenstagen besonders wichtig. Hygiene entsteht nicht nur durch Sauberkeit, sondern auch durch Desinfektion. Liegt die Temperatur unter 10 °C, ist die Wirkung üblicher Desinfektionsmittel aber nicht garantiert
In mehreren Untersuchungen wurde das Gerät „EcoProtectorUV-C“ der Firma Urban auf seine Wirksamkeit geprüft.Diese Neuentwicklung wird am Heck eines fahrbaren Milkshuttles angebracht und von diesem auch mit Spannung versorgt.
Bereits nach zwei Minuten Bestrahlung sind fast alle Keime abgetötet. Lediglich Hefen und andere Pilze benötigten eine mindestens doppelt so lange Bestrahlung. Der Erfolg ist abhängig von Abstand, Dauer und Intensität der Bestrahlung sowie von einer guten Positionierung des Gerätes vor der zu desinfizierenden Stelle.
Die Untersuchungen der Hochschule Weihenstephan ergaben, dass bis zum Versuchsende am 14. Lebenstag alle Tiere der Kontrollgruppe mit klassischen Desinfektionsmaßnahmen durchschnittlich 5,2 Tage krank waren. Die Versuchsgruppe mit UV-C-Desinfektion hatte im Durchschnitt 0,8 Krankheitstage pro Tier.
Festgestellt wurde außerdem, dass der durchschnittliche Zeitaufwand für die UV-C-Desinfektion deutlich geringer war, als der Zeitaufwand, der durch kranke Tiere entsteht. Unter Berücksichtigung der zusätzlichen Behandlungskosten erkrankter Kälber errechnet sich eine Kostenersparnis von etwa 47 € pro Kalb.
Die Desinfektion mittels EcoProtectorUV-C verbessert die Hygiene und damit die Haltungsumgebung von Kälbern, deren Iglus sich in der kalten Jahreszeit nicht fachgerecht (über 10 °C) desinfizieren lassen. Die UV-C-Desinfektion ist einfach, das Gerät muss nur vor das zu desinfizierende Iglu gefahren und angeschaltet werden.
Uwe Weddige
Foto © Urban









