Kühe: Methan in der Diskussion
Kürzlich startete das Forschungsprojekt „Nachhaltige Reduktion von Methanemissionen in Milchkuhbetrieben mittels züchterischer Strategien bei gleichzeitiger Verbesserung der Futtereffizienz und Tiergesundheit – MethaBreed“.
Gemeinsam mit dem Förderverein Bioökonomieforschung (FBF) als Projektkoordinator arbeiten die Vereinigten Informationssysteme Tierhaltung w.V. (vit) sowie die Universitäten in Hohenheim, Kiel und Gießen an der Verbesserung der Nachhaltigkeit in der Milchwirtschaft.
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert, es soll den Zusammenhang zwischen Methanausstoß, Futtereffizienz und Tiergesundheit bei Milchkühen systematisch erfassen und neue züchterische Ansätze entwickeln.
Dazu werden auf Praxisbetrieben tierindividuelle Merkmale von Milchkühen über größere Zeiträume hinweg detailliert erfasst. Mithilfe innovativer Technologien erfolgt eine kontinuierliche Datenerfassung der tierindividuellen Methanemissionen sowie der Futteraufnahme und der Tiergewichte. Die besondere Aufmerksamkeit liegt weiterhin auf der Stoffwechselgesundheit der Milchkühe.
Ein zentrales Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines neuen Zuchtwerts für die Methanemission, um eine gezielte Selektion von Milchkühen mit geringerer Methanproduktion zu ermöglichen.
Mit den Erkenntnissen aus „MethaBreed“ wird ein entscheidender Beitrag zur nachhaltigen und ressourcenschonenden Nutztierhaltung geleistet werden – ein wichtiger Schritt in Richtung geringerer Treibhausgasemissionen und einer klimafreundlicheren Milchviehhaltung.
Uwe Weddige
Foto © Weddige
Personal binden: Strategien entwickeln
Landwirtschaftliche Betriebe haben oftmals ein Nachwuchs-Problem. Viele Stellen bleiben unbesetzt.
An der Bezahlung allein scheitert es nicht immer, häufig aber am schlechten Image landwirtschaftlicher Berufe. Die Arbeitswelt hat sich verändert und viele Arbeitgeber in ländlichen Gegenden können mit der Entwicklung nicht Schritt halten.
Die ersten Arbeitsjahre sind für junge Menschen, die in die Berufswelt einsteigen, oftmals sehr anstrengend, sie müssen trotz ihrer guten schulischen und universitären Ausbildung noch viel lernen. Zudem kostet es Arbeit und Zeit, um in Sachen Kommunikation, Teamarbeit und Verantwortung fit zu werden.
Lena Pilz, Coach für Führungskräfte empfiehlt Vorgesetzen, den jungen Kollegen stets auf Augenhöhe zu begegnen und „flache Hierarchien“ zu leben und nicht nur zu versprechen. Die Enttäuschung vieler junger Leute zeigt sich in der sichtbaren Kündigungs- und Wechselbereitschaft.
Junge Menschen benötigen Sicherheit und Vertrauen, um stetig dazulernen zu können. Dabei leiden Sie nicht selten an vernichtender Kritik und übermäßiger Strenge. Sie sollten ermutigt werden, konstruktive Rückmeldungen zu geben, ihre Erfahrungen zu schildern und Verbesserungsvorschläge zu machen. Auch Berufsanfänger wünschen sich Verantwortung, Flexibilität und Selbstständigkeit, oft wird ihnen jedoch mit Kontrolle begegnet und Gehorsam verlangt.
Die beschriebenen Werte- und Generationskonflikte existieren schon viele Jahre. Um junge Mitarbeitende zu binden, ist es jedoch zwingend notwendig, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen und von veralteten Überzeugungen und Strategien Abstand zu nehmen.
Uwe Weddige
Foto © KFM
Schwanzspitze als Gesundheitsindikator?
Anhand der Schwanzspitzentemperatur soll sich der Gesundheitsstatus von Kühen feststellen lassen.
Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und die Ludwig-Maximilians-Universität München beobachteten 351 Holstein-Kühe hinsichtlich ihrer Schwanzspitzentemperatur. Die Durchschnittstemperaturen unterschieden sich mit 0,2 °C jedoch nur gering. Die Gruppe der Kühe mit den höheren Temperaturen hatte die höchsten Milchleistungen, während die Gruppe mit den geringsten Schwanzspitzentemperaturen eine erhöhte Körpertemperatur oder Fieber sowie eine verminderte Pansenaktivität zeigte.
Die verminderten Temperaturen deuten laut Prof. Kremer-Rücker auf eine schlechtere Durchblutung der Schwanzspitzen hin. Das könne auf Entzündungsgeschehen im Tier hinweisen. Die Wissenschaftlerin rät Milcherzeugern, die Schwanzspitzen der Tiere zu scheren, um Veränderungen besser zu erkennen. Zeigen Kühe vermehrt Veränderungen der Schwanzspitzen, ist von einem Herdenproblem auszugehen. Dies kann unter anderem durch Mykotoxine oder Endotoxine ausgelöst werden. Landwirte sollten dann dringend die Wasserversorgung auf Qualität und Zugänglichkeit überprüfen.
Eine ausreichende Wasseraufnahme der Tiere ist eine wichtige Voraussetzung, um Giftstoffe auszuscheiden. Weiterhin sollten sie die Ration auf ihre Eignung für Wiederkäuer prüfen, um Pansenazidosen vorzubeugen. Die Futtermischung kann zum einen den Abbau bestimmter Mykotoxine hemmen oder auch zur Freisetzung von Endotoxinen in das Blut führen.
Uwe Weddige
Foto ® KFM: Veränderungen der Schwanzspitzen können als Indikator für den Gesundheitszustand dienen.
Kälber: Glatze durch Pansentrinken?
Immer wieder entdeckt man bei Betriebsrundgängen offensichtlich gesunde Kälber mit Glatze, oft am Kopf, aber auch an den Beinen.
Vermutlich handelt es sich dabei um Folgen einer überstandenen Übersäuerung des Blutes durch sogenanntes „Pansentrinken“. Bei diesen Tieren gelangt die aufgenommene Milch nicht in den Labmagen, sondern in den Pansen. Dies führt dort zu einer Übersäuerung, Durchfall ist die Folge.
Ursache für das Pansentrinken kann eine Störung des „Schlundrinnenreflexes“ durch zu kalte Milch, hastiges Trinken oder unsachgemäßes Drenchen sein. Von Fachleuten wird auch das Trinken des Kalbes aus einem offenen Eimer als häufige Ursache genannt. Saugt das Kalb dagegen an der Zitze der Mutter oder an einem Nuckeleimer sorgt der Schlundrinnenreflex dafür, dass die Milch am Panseneingang vorbei direkt in den Labmagen geleitet wird.
Die Behandlung von Pansentrinkern richtet sich nach dem Allgemeinbefinden der Tiere und muss tierärztlich abgeklärt werden. Zu den Sofortmaßnahmen gehören die Verabreichung von Elektrolyten bei Durchfall, Stressvermeidung, das Anbieten von frischem Wasser sowie die Förderung der Futteraufnahme von Heu und Kraftfutter. In schweren Fällen kann eine Pansenspülung notwendig sein.
Ausführliche Informationen zu den Präventivmaßnahmen lesen Sie im kostenfreien KFM-Merkblatt „Pansentrinker retten“.
Uwe Weddige
Foto © KFM
Eisprung automatisch erkennen
Aktivitätssensoren helfen Landwirten bei der Brunstüberwachung. Wie genau und zuverlässig ist diese Technik?
Von den knapp 2.200 Kühen in den Studien der Freien Universität Berlin hatten rund 80 % einen Eisprung. 64 % aller Kühe zeigten im beobachteten Zeitraum eine Brunst über die Aktivitätsüberwachung. Von den Kühen, die das System als brünstig erkannte, hatten 88 % auch tatsächlich einen Eisprung. Den Ovulationsstatus stellten die Wissenschaftler durch Blutmessungen fest.
Viele Tiere ohne wahrnehmbare Brunstanzeichen hatten trotzdem einen Eisprung. Nur rund 35 % der Kühe, bei denen das System keine Brunst feststellt, hatten auch tatsächlich keinen Eisprung. Besonders der erste Eisprung nach der Kalbung verläuft oftmals ohne deutlich sichtbare Brunstanzeichen. Er bleibt daher überwiegend unentdeckt.
Die Forschungsergebnisse zeigen dennoch, dass ein Brunstalarm der Aktivitätssensoren fast immer auch einen Eisprung bedeutet. Die Sensoren können also wertvolle Hinweise zur Brunstüberwachung geben und dabei helfen, den optimalen Besamungszeitpunkt zu ermitteln.
Uwe Weddige
Foto © KFM: Sensoren zur Aktivitätsüberwachung gibt es als Ohrmarke, Anhänger am Halsband oder als Bolus
Höhere Leistungen, bessere Eutergesundheit
Der Jahresabschluss der deutschen Milchleistungsprüfung 2025 liegt vor. Geringe Zellzahlen belegen eine bessere Eutergesundheit. Auch die Milchleistungen sind gestiegen.
Unabhängige regionale Kontrollverbände führen die Milchkontrolle nach internationalen und nationalen Regelungen durch. Nach diesen Auswertungen gaben die 3,09 Millionen Milchkühe in der Milchleistungsprüfung (MLP) im Vergleich zum Vorjahr 82 kg mehr Milch je Kuh und Jahr. Die durchschnittliche Jahresleistung lag damit bei 9.718 kg Milch mit einem Milchfettanteil von 4,10 % und einem Milcheiweißgehalt von 3,52 %.
Im vergangenen Milchkontrolljahr sank die durchschnittliche Zellzahl im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil der Tiere in der besten Zellzahlklasse (<100.000 Zellen/ml) nahm zu und der Anteil in der schlechtesten Klasse (>400.000 Zellen) ab. Offenbar legen die Milchviehhalter einen besonderen Fokus auf die Eutergesundheit ihrer Tiere. Insgesamt 77,9 % aller Milchproben wiesen einen Zellgehalt von weniger als 200.000 Zellen je ml auf.
Quelle: Bundesverband Rind und Schwein, bearbeitet von Uwe Weddige
Foto © KFM: Die Eutergesundheit verbessert sich stetig, die durchschnittlichen Zellzahlen sinken.









