4 05, 2023

Im Frühjahr mehr Kolostrum

2023-05-04T05:14:24+01:004. Mai 2023|

Je mehr Kolostrum, desto besser, doch das klappt nicht immer: Kühe, die im Frühling und Sommer abkalben, produzieren in der Regel mehr Erstmilch als Kühe, die im Herbst oder Winter Nachwuchs bekommen. Mehr Licht im Frühjahr und Sommer lässt die Tiere mehr Kolostrum erzeugen.

Bei der Beobachtung einer Milchviehherde in Texas mit fast 3.000 Jersey-Kühen wurde ermittelt, dass die durchschnittliche Kolostrumproduktion der Tiere etwa 4,26 Liter betrug. Dabei schwankten die Mengen von 2,49 Liter im Januar, 4,81 Liter Im Mai bis zu 6,58 Liter im Juni.

Die schwankende Lichteinstrahlung bei unterschiedlichen Tageslängen konnte als wichtigster Faktor für die Kolostrumproduktion identifiziert werden. Längere Tageszeiten mit höherer Sonnenlichtdauer in den drei Wochen vor dem Kalben wirkten sich nachweislich auf eine höhere Bildung von Erstmilch aus.

Fazit: Hochwertige Erstmilch aus den lichtstarken Frühjahrs- und Sommermonaten sollte tiefgefroren und in den Herbst- und Wintermonaten zusätzlich angeboten werden. Ist dies nicht möglich oder kein ausreichender Kolostrum-Vorrat vorhanden, sollte auf hochwertigen Biestmilchersatz zurückgegriffen werden, um den neugeborenen Kälbern auch in der dunklen Jahreszeit einen optimalen Start in den ersten Lebenstagen zu ermöglichen.

Mehr zur optimalen Versorgung mit Kolostrum lesen Sie in den KFM Merkblättern „Kolostrum richtig lagern“ und „Kolostrum-Management“.

Uwe Weddige, Quelle: CEVA 2023

Foto: KFM

2 05, 2023

Injektion leicht gemacht!

2023-05-02T08:13:08+01:002. Mai 2023|

Ohne die richtige Applikation bringt kein Medikament die gewünschte Wirkung. Oft übernehmen Landwirte oder Zootechniker die Behandlung von Kühen. Dabei sind jedoch vertiefte Fachkenntnisse erforderlich.

Aus den Erfahrungen in der Beratungspraxis geben wir folgende Tipps:

  • Behandeln Sie nach Beipackzettel, um die gewünschte Wirkung nicht zu gefährden. Lesen Sie vorab die Gebrauchsinformation des Medikaments zur Dosierung und Art der Anwendung!
  • Setzen Sie die Spritze an der richtigen Stelle! Das Injektionsdreieck am Hals befindet sich ein bis zwei Handbreit vor der Schulter und nicht an der Keule!
  • Arbeiten Sie „sauber“! Der häufigste Grund für Abszesse infolge der Injektion entsteht durch mangelnde Hygiene!
  • Gewähren Sie sich und den Tieren eine gefahrenlose Behandlung! Die Kühe sollten unbedingt im Behandlungsstand oder Fressgitter fixiert werden!
  • Wechseln Sie die Kanüle nach jeder Behandlung und lagern Sie die Spritzen und Nadeln trocken und sauber!
  • Schützen Sie die Medikamente vor Licht. Lagern Sie die Vorräte trocken, sauber und kühl und – wenn angegeben – im Kühlschank!

Sinnvoll ist eine feste Routine für die verschiedenen Behandlungen. So vermeiden Sie unnötige Fehler und erzielen die gewünschte Wirkung.

Lesen Sie zum Thema auch das KFM-Merkblatt „Medikamente richtig injizieren“.

Uwe Weddige

Foto: KFM

27 04, 2023

Stallrundgang 2.0

2023-04-27T04:27:34+01:0027. April 2023|

Die Leistung von Kühen ist ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Haltungsumwelt und Ihrem Management. Anders als vielfach behauptet, lässt sich eine Herde unabhängig von der Genetik immer weiterentwickeln!

Haltungsumwelt und Management bieten viel ungenutztes Potential. Auch ohne einen neuen Stall oder neue Technik lassen sich immer kostengünstige oder sogar kostenneutrale Möglichkeiten zur Verbesserung finden.

Nehmen Sie sich regelmäßig etwas Ruhe und Zeit, um genau hinzuschauen und nicht nur, wenn Probleme zu lösen sind: wie ist der Gesamteindruck der Herde, sind die Tiere sauber und frei von Lahmheiten, machen sie einen zufriedenen Eindruck?

Gehen Sie durch Ihren Stall, als wären Sie zu Besuch auf einem anderen Betrieb und seien Sie kritisch:

  • Was können Sie tun, um das Wohlbefinden die Tiere noch weiter zu steigern? Reichen Licht, Stallklima und Platz aus?
  • Wie lange dauert es, bis Ihre Kühe sich hinlegen? Im Idealfall sind es zwei Minuten nach Betreten der Liegebox.
  • Wie sind die Laufgänge beschaffen? Bewegen Ihre Kühe sich gerne? Egal ob zum Wasser, zum Futter oder zum Melken. Oft sind Laufgänge rutschig und dreckig!
  • Fressen Ihre Kühe in entspannter Haltung? Ist der Futtertisch sauber und gut erreichbar? Hängen Fressgitter und Nackenrohr ausreichend hoch? Oft passen die Maße nicht.
  • Sind ausreichend Tränken vorhanden, passt der Durchfluss und werden sie täglich gereinigt?

Uwe Weddige

Foto: Weddige

23 04, 2023

Kälberdurchfall richtig diagnostizieren

2023-04-27T03:46:55+01:0023. April 2023|

Wir kennen das alle: eine ganze Zeit lang war alles in Ordnung im Stall und dann trifft es jeden Tag Kälber: Durchfall ist wohl die häufigste Rinderkrankheit und trifft gerade die jüngsten Tiere der Herde.

Sowohl Viren und Bakterien als auch Parasiten können Kälberdurchfälle verursachen, wobei häufig Mischinfektionen vorliegen. Wichtig ist es, die verantwortlichen Erreger zu kennen. Nur so kann man zielgerichtete präventive und kurative Maßnahmen ergreifen.

Besonders bei gehäuftem Auftreten von Durchfällen innerhalb der ersten 21 Lebenstage sind Kotproben auf Mikroorganismen und Salmonellen zu untersuchen. Erkranken auch oder vor allem ältere Tiere, kommen eher Kokzidien, Salmonellen und bei wechselhaft auftretendem Durchfall auch Giardien infrage.

Oft ist das nächste Labor unerreichbar oder zu langsam. In diesem Fall kann der Durchfallerreger-Schnelltest helfen. Er gibt nach wenigen Minuten Auskunft, ob die Kälber unter Rota-, Coronaviren, E.Coli-Bakterien, Kryptosporidien oder Clostridien leiden.

Die Anwendung ist dabei denkbar einfach. Bereits nach nur 10 Minuten liefert der Test einfach abzulesende Ergebnisse. Bei positivem Erregernachweis verfärbt sich der Teststreifen.

Damit wird die Auswahl der richtigen Therapie entscheidend verbessert und vor allem beschleunigt. Das KFM-Team informiert gerne über Erfahrungen und Ergebnisse.

Lesen Sie dazu auch den KFM-Newsletter 03/2023 mit dem Schwerpunkt „Kälberaufzucht und -gesundheit“.

Uwe Weddige

Foto: KFM

21 04, 2023

Kälberaufzucht ohne Probleme?

2023-04-21T09:55:20+01:0021. April 2023|

Kälberaufzucht ohne Probleme?

Kälber reagieren besonders empfindlich auf Krankheitskeime und schlechtes Stallklima. Nur wer seine Tiere beobachtet, erkennt diese Signale und kann frühzeitig reagieren.

Immer wieder sehen wir in der Beratungspraxis auch sogenannte „Pansentrinker“. In der Folge sind diese Tiere oft trinkschwach und dadurch sehr krankheits- und durchfallanfällig. Erfahren Sie, mit welchen einfachen Maßnahmen dieses Problem verhindert werden kann und lernen Sie mit Hilfe unseres kurzen „Kälberchecks“, die Signale Ihrer Kälber zu „lesen“.

Trotz aller Sorgfalt breitet sich immer wieder Kälberdurchfall aus! Wir erläutern, wie Sie die wichtigsten Erreger erkennen und was zu tun ist. Außerdem geben wir in dieser Ausgabe klare Empfehlungen zum Tränkeregime und wir räumen auf mit Aussagen, dass frühe Heu- und Wassergaben für kleine Kälber eher schädlich seien.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen unseres Newsletters.

Uwe Weddige

Foto: KFM

19 04, 2023

Jetzt Lüfter reinigen!

2023-04-19T09:28:29+01:0019. April 2023|

Staubschichten reduzieren die Leistung von Ventilatoren um bis zu 50 %. Es lohnt sich also, die Geräte mindestens jährlich zum Saisonstart zu entstauben.

Leichte Verschmutzungen sind mit Bürste oder Besen schnell entfernt. Mittlere Verschmutzungen mit leichten Schmutzkrusten können mit einem Kunststoffschaber entfernt und alle Teile mit einem feuchten Tuch abgewischt werden. Von einer groben Behandlung der Flügelblätter wird dringend abgeraten.

Je seltener die Geräte gereinigt werden, desto aufwendiger gestaltet sich die Aktion im Stall, denn die Mischung von Einstreustaub, Kuhhaaren und Luftfeuchtigkeit verklebt zu einer festen Schicht. Eine Nassreinigung bei starken Verschmutzungen kommt nur bei wenigen Geräten in Frage. Keinesfalls dürfen die Ventilatoren mit einem Hochdruckreiniger oder einem scharfen Wasserstrahl gereinigt werden. Daher ist es oft notwendig, die Schutzkörbe abzubauen und diese gesondert mit einem Hochdruckreiniger zu waschen.

Wird doch nass gereinigt, müssen die Ventilatoren zum Trocknen mindestens eine Stunde mit voller Drehzahl laufen. Feuchtigkeit, die in den Motor eingedrungen ist, kann so verdunsten.

Spätestens jetzt ist es auch an der Zeit, über die Montage weiterer Lüfter nachzudenken. Lesen Sie dazu die KFM-Merkblätter „Einbau von Casablanca-Lüftern“ und „Einbau von Axialventilatoren“. Fragen dazu beantwortet das KFM-Team gerne.

Uwe Weddige

Foto: KFM

14 04, 2023

5 Fütterungstipps gegen lahme Kühe

2023-04-14T06:48:45+01:0014. April 2023|

Eine Klaue benötigt Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralien, Spurenelemente und Vitamine für den Verhornungsprozess. Nährstoffungleichgewichte führen zu zerbrechlichem Horn, Rissen oder Infektionen in der Klaue.

Tipps für die Praxis:

  1. Die Proteinmenge in der Ration sollte 16 % – 19 % in der TM nicht überschreiten. Eine zu hohe Konzentration der Abbauprodukte im Blut schädigt die empfindliche Lederhaut der Klaue und führt zu Lahmheiten.
  2. Magere Kühe haben ein dünnes Fettpolster zwischen Fußknochen und Klauenwand und daher ein höheres Lahmheitsrisiko. Aber das Fettpolster ist wichtig, um Stöße abzufangen.
  3. Bei Azidosen sterben durch den sinkenden Pansen-pH Wert zahlreiche Pansenbakterien, dadurch werden schädliche Substanzen wie Histamine, Endotoxine und Nitrit frei. Diese schädigen wiederum die Gefäße der reich durchbluteten, hornbildenden Lederhaut. In der Folge leidet die Hornbildung: Schmutz und Keime können leichter eindringen. Klauenrehe folgt dann schnell. Deswegen nie mehr als 250 g Kraftfutter pro Liter erzeugte Milch in die Ration geben.
  4. Insbesondere ist Calcium für den Hornaufbau der Klaue wichtig. Ausreichende Mengen an Kupfer und Zink sind entscheidend für das Immunsystem und verhindern bakterielle Infektionen von Klauen.
  5. Die entscheidenden Vitamine für die Klauengesundheit sind A, B7, D und E. Sie beeinflussen die Qualität und das Wachstum der Klaue und spielen in der Immunabwehr eine wichtige Rolle.

Uwe Weddige, Quelle: Langova et al. 2020; Esmail 2022

Foto: KFM

6 04, 2023

Nabelentzündungen verhindern

2023-04-06T04:21:40+01:006. April 2023|

Infektionen des Nabels führen nicht nur zu gesundheitlichen Beeinträchtigung einzelner Tiere, im Beratungsgeschehen werden uns immer wieder an Nabelentzündung erkrankte Kälber mit geringen Tageszunahmen und Kümmerer vorgestellt. Das Infektionsgeschehen sollte daher unbedingt rechtzeitig erkannt und wenn möglich verhindert werden.

Die Ursache von Nabelentzündungen sind oftmals in der mangelnden Kolostrumversorgung und in der schlechten Hygiene zu finden. In vielen Fällen trägt das gegenseitige Besaugen der Tiere zur Problematik bei.

Hauptsymptome sind Verdickung, Erwärmung, Fieber und Ausfluss, die insbesondere in der ersten Phase leicht zu übersehen sind. Umso wichtiger ist die regelmäßige Kontrolle der neugeborenen Kälber und eine genaue Sichtprüfung des Nabelschnurrests unter hygienischen Bedingungen. Oft verdickt und erwärmt sich der Nabelstrang schnell, begleitet von zunehmender Schmerzhaftigkeit für das Tier. Der Nabel ist feucht und es tritt Fieber über 39,5 °C auf. Bei einer hochgradigen Nabelentzündung ist Fieber über 39,5 °C, oft kombiniert mit eitrigem, riechendem Ausfluss aus dem Nabel festzustellen. Das Kalb zeigt einen gekrümmten Rücken, reduzierte Futteraufnahme und deutliche Schmerzzeichen.

Diese Tiere sind umgehend tierärztlich zu versorgen, sonst sind schwere Schäden wie Leberabszesse, Gelenk- und Lungenentzündungen sowie Entwicklungsdepression unvermeidbar.

Lesen Sie dazu die KFM-Merkblätter „Nabelentzündung beim Kalb“, „Gegenseitiges Besaugen der Kälber – 16 Tipps“ und „Kolostrum-Management“.

Uwe Weddige

Foto: swissgenetics

4 04, 2023

Reicht die Futteraufnahme?

2023-04-04T06:57:57+01:004. April 2023|

Milchkühe bedarfsgerecht zu füttern ist nicht einfach. Wichtig ist eine hohe Futteraufnahme, um die Kühe vor allem im kritischen ersten Laktationsdrittel richtig auszufüttern. Viele Herdenmanager geben Werte um 24 kg TM an, bei genauer Betrachtung sind es aber oft deutlich weniger als 20 kg.

Die folgenden Tipps unterstützen Sie dabei, die Futteraufnahme Ihrer Herde langfristig zu steigern.

Füttern Sie täglich immer zur gleichen Zeit und schieben Sie das Futter stündlich an das Fressgitter. In vielen Betrieben ist festzustellen, dass die Mischung aus dem Futtermischwagen sehr heterogen ist. Der Grund ist oft in zu kurzen Mischzeiten oder in der Überfüllung der Mischwagen zu finden. Achten Sie beim Futter besonders auf Hygiene! Modrige und pilzbelastete Stellen sind bereits im Silo sehr großzügig zu entfernen.

Einen Futterrest von mind. 3 – 5% sollten Sie einkalkulieren. Erstlaktierende mit schon geringer Futteraufnahme oder rangniedere Tiere können oft erst zum Schluss fressen. Dadurch besteht das Risiko, dass nur noch wenig Futter vorliegt und die Energiedichte durch Selektion reduziert ist. Ein ausgeglichenes Tier/Fressplatzverhältnis ist von großem Vorteil. Zu jeder Tages- und Nachtzeit müssen die Tiere Zugang zu reichlich Futter haben.

Stress, Verdrängung und Unruhen wirken sich negativ auf die Futteraufnahme aus. Reduzieren Sie daher möglichst alle externen Ruhestörer und halten Sie feste Routinen und Uhrzeiten in Fütterung, Melken und Kuhbehandlungen ein. Gewährleisten Sie außerdem eine gleichmäßige Ausleuchtung im ganzen Stall bei Tag mit 100 – 150 Lux.

Lesen Sie dazu das KFM-Merkblatt „Futteraufnahme bei Milchkühen steigern – 10 Tipps“ und die KFM-Checkliste „Fütterung laktierender Kühe“.

Uwe Weddige

Foto: Weddige

3 04, 2023

Was verrät uns die Körpertemperatur?

2023-04-03T03:00:16+01:003. April 2023|

Der Zeitraum rund um die Geburt, die sogenannte Transitphase, ist entscheidend für einen guten Start in die Laktation. Dabei ist die routinemäßige Messung der Körpertemperatur eine einfache und günstige Methode, die Tiergesundheit in dieser Phase zu überwachen.

Durch diese einfache Maßnahme kann der Zeitraum der bevorstehenden Geburt eingegrenzt werden: einige Tage vor der Kalbung steigt die Körpertemperatur auf 39,0 bis 39,5°C an. Sobald die Temperatur um 0,5 bis 1,0 °C absinkt, ist in den nächsten zwölf bis 24 Stunden mit der Geburt zu rechnen.

Sinkt die Körpertemperatur nach der Kalbung auf unter 38,2°C, kann dies ein erster Hinweis auf einen Kalziummangel sein. So kann man frühzeitig Maßnahmen gegen Milchfieber einleiten. Zusammen mit Fressunlust kann ein Wert unter 38,2°C auch ein Hinweis auf eine Ketose sein.

Steigt die Körpertemperatur nach der Geburt aber auf über 39,5°C an, ist dies ein deutliches Anzeichen auf ein Entzündungsgeschehen. Gründe können zum Beispiel Nachgeburtsverhalten oder eine akute Euterentzündung sein.

Neben der sonst bekannten Überwachung des Gesundheitszustandes der Tiere eignet sich das Messen der Körpertemperatur als einfache Methode, eine bevorstehende Geburt einzugrenzen und Stoffwechselstörungen bzw. Entzündungen frühzeitig zu erkennen.

Lesen Sie dazu das KFM-Merkblatt „Was verrät uns die Körpertemperatur?“.

Uwe Weddige

Grafik: KFM/Gasteiner

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