Im Rahmen einzelbetrieblicher Beratungen ist immer wieder festzustellen, dass der Harnstoffwert der Milch nicht bekannt ist. Dabei lässt dieser Wert auf einfache und schnelle Weise Rückschlüsse auf die Eiweiß- und Energieversorgung der Tiere zu und ist somit ein wertvoller Hinweisgeber für jedes Fütterungscontrolling.
Werte zwischen 15 und 25 mg/100ml gelten als Optimum, wobei Werte unter 15 mg/100ml auf eine Unterversorgung mit Futtereiweiß schließen lassen.
Eine starke Unterversorgung über mehrere Wochen und Monate wirkt sich vor allem negativ auf die Faserverdauung im Pansen und somit auf die Grundfutterverwertung und Milchleistung aus. Ein Absinken unter 10 mg/100ml sollte auf jeden Fall vermieden werden.
Hingegen wirken sich Harnstoffwerte über 30 mg/100ml vor allem bei Kühen in der ersten Laktationshälfte negativ aus. Neben der Verschwendung von Energie wird bei einem hohen Harnstoffgehalt die Leber unnötig belastet. Zusätzlich kann es durch diese Futtersituation zu einer pH-Wert-Veränderung in der Gebärmutter kommen. Diese wirkt sich wiederum negativ auf die Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter aus.
Ein aussagekräftiger Parameter zur Beurteilung der Energieversorgung ist der Milcheiweißgehalt, das Optimum liegt zwischen 3,2 und 3,8 %. Werte unter 3,1 % deuten auf einen Energiemangel hin, während Eiweißgehalt von 3,8 % einen Energieüberschuss anzeigen.
Ob ein Energiemangel in Verbindung mit der Stoffwechselkrankheit Ketose (Acetonämie) besteht, kann zusätzlich am Fett-Eiweiß-Verhältnis abgelesen werden. Bei Kühen mit einem Wert von über 1,5 in den ersten vier Monaten nach der Kalbung besteht die Gefahr der Ketose.
Weiterführende Informationen lesen Sie im KFM-Merkblatt „Mit Harnstoffwerten Fütterungsfehler finden“
Uwe Weddige
Foto © KFM